Hengstgruppenhaltung in Theorie und Praxis Version: 2009.06.10
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Teil I: Theorie und Voraussetzungen [3] Fazit für eine tatsächlich artgerechte Haltung männlicher Pferde
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Kommen wir nach diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Begriff "artgerecht" zurück: Jetzt wissen wir, dass die Haltung von mehreren erwachsenen männlichen Pferden zusammen mit weiblichen in gemischten Gruppen nicht der Natur entspricht und somit auch nicht als "artgerecht" bezeichnet werden kann. Keineswegs und in keiner Weise aber kann der dafür nötige massive und äusserst zerstörerische Eingriff der Kastration in den Körper und den Hormonhaushalt männlicher Pferde auch nur im entferntesten in die Nähe des Begriffs "artgerecht" oder der Natur des männlichen Pferdes gebracht werden. Kastration entspricht schlicht in keiner Weise der Art des Pferdes und eine Haltung welche eine solche Voraussetzt, kann deswegen auch in keiner Weise artgerecht sein.
Wirklich artgerechte Haltung bedeutet in Korrespondenz zur Natur für einen Grossteil aller männlichen Pferde die Haltung in einer reinen Hengstgruppe, getrennt von jeglichen Stuten. Nur für eine Minderheit von ausserordentlich durchsetzungsfähigen Hengsten bedeutet artgerechte Haltung für einen Teil ihres Lebens eine Ganzjahreshaltung mit durchschnittlich 3-7 erwachsenen Stuten als Zuchthengst und Vatertier.
Deshalb muss man bei männlichen Pferden beim Begriff "artgerechte Haltung" in erster Linie von Hengstgruppenhaltung ohne Stuten sprechen, nicht von Kastration und Wallachhaltung, auch nicht in Gruppen- und Bewegungsställen zusammen mit Stuten.
Dass Hengstgruppenhaltung ohne Stuten tatsächlich nicht nur theoretisch funktionieren könnte, sondern auch tut, sollte nach den aufgeführten wissenschaftlichen Erkenntnissen nun allen einleuchten.
Wer sich für die ausschliessliche Haltung von Hengsten auf seinem Betrieb entscheidet, der kann sich nicht nur die Genugtuung unter den Gürtel stecken, dass er seinen Pferden ihre körperliche Integrität und natürliche Motivation zur Bewegung belässt und sie wirklich artgerecht hält, sondern der braucht auch keine Bewegungs-Laufställe in denen die Pferde mittels ausgeklügeltem Parcours und implantiertem Computerchip dazu animiert werden, sich jeden Tag zumindest minimal für das Futter zu bewegen. Hengstgruppenhaltung kann also auch Kosten sparen, zumindest jene für die Kastration und die für einen Bewegungsstall mit Computerfütterung zur Zwangsbewegung von Kastraten. Hengste bewegen sich nämlich im Gegensatz zu Wallachen auch ohne künstliche Animations-Hilfen wie Bewegungsställe und implantierte Computerchips genügend, ganz einfach, weil ihre Hoden, die natürlichen und von der Natur gegebenen Bewegungs- und Aktivitäts-Motivatoren nicht entfernt wurden.
Trotzdem muss man sagen, dass es auch bei der Hengstgruppenhaltung, obwohl es die natürlichste aller Pferdehaltungen ist, gewisse Voraussetzungen gibt welche erfüllt sein müssen, vor allem auf der Seite des Menschen. Des weiteren ist es so, dass es einige hilfreiche Bedingungen gibt, welche man aufgrund von Ausnahmen zwar nicht zur Regel machen kann, welche sich aber unter anderem derart stark auswirken können, dass sie eine Hengstgruppenhaltung ermöglichen oder auch vollkommen verunmöglichen können.
Wie bei jeder Pferdehaltung, sollte auch bei der Hengstgruppenhaltung das Pferd, also der einzelne Hengst im Zentrum stehen. Denken wir daran, in freier Natur können Hengste bis zu einem gewissen Grad wählen, mit welchen anderen Hengsten sie eine Gruppe bilden wollen - oder zumindest mit welchen nicht. Diese Wahlfreiheit sollte man Hengsten wann immer möglich belassen.
Wenn Sie einen Hengst haben, der sich gegenüber anderen Hengsten vollkommen asozial benimmt und nichts anderes will, als zwischen sich und den anderen Hengsten möglichst viel Platz schaffen, zwingen sie ihn und die anderen Hengste nicht zusammen. Respektieren Sie die offensichtlichen Wünsche!
Ein Hengst der alle anderen dauernd wegtreibt und schikaniert, will nicht, wie Hengst-Laien immer wieder fälschlicherweise auf solche Tiere projizieren, in der Gruppe mit diesen sein, wobei ihm lediglich "seine Hormone dafür im Wege stehen", sondern er will ganz einfach nicht mit diesen zusammen eine Gruppe bilden!
Der artgerechte Umgang mit Hengsten hat viel mit Respekt zu tun. Akzeptieren sie die Tiere wie sie sind und respektieren sie das Offensichtliche. Aber fahren Sie sich in ihren Entscheidungen niemals fest, sondern lassen Sie Ihren Hengsten immer die möglichst freie Wahl. Überlassen Sie es ihren Hengsten jederzeit, ob sie in der Gruppe mit anderen Hengsten sein wollen oder nicht und bleiben sie flexibel. Lassen Sie immer eine Tür offen und ändern Sie ihre Haltung gemäss den momentanen Bedürfnissen der Tiere, anstatt deren Körper gemäss Ihren Bedürfnissen als Mensch oder jenen welche Sie auf die Tiere projizieren abzuändern.
Alleine das Spannen von ein paar Elektrodrähten kann aus jeder Hengstgruppenhaltung in wenigen Minuten eine Hengsteinzelhaltung machen. Wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, greifen sie zu diesem Mittel, nicht zu Gewalt in Form von Amputation. Wer weiss, vielleicht ändern sich die Dinge ja eines Tages und ist es so schlimm, einen Hengst in Einzelhaltung zu halten, wenn das sein offensichtlicher momentan ausgedrückter Wunsch ist? Dürfen denn Hengste nicht anderen Hengsten ausweichen oder diese wegjagen und von diesen getrennt leben, wie sie es in der Natur manchmal genauso tun? Müssen Hengste in menschlicher Haltung das gut finden, was wir ihnen geben?
Hören Sie nicht auf Tierschutzorganisationen oder Dritte, wenn diese vorgeben, besser zu wissen, was ihr Pferd will und braucht, hören Sie selbst auf ihr Pferd und besorgen Sie sich das nötige Theorie- und Fachwissen aus Büchern (siehe Literaturhinweise). Vor allem aber halten Sie Ihren Hengst ein Leben lang so, dass er jederzeit selbst bestimmen kann, ob er bei einer Hengstgruppe dabei sein oder lieber allein sein möchte. Nehmen Sie Ihren Hengst in seinen Wünschen ernst und erfüllen Sie ihm so viele Wünsche wie Sie können, ohne sie ihm aber wegzunehmen oder dauerhaft zu zerstören.
Für ungeduldige Leser sei noch eine Warnung angebracht: Bitte lesen und beachten Sie die folgenden Grundvoraussetzungen, aber auch die Hilfreichen Bedingungen bevor Sie zur Tat schreiten. Das völlige Ignorieren jeglicher Voraussetzungen und Bedingungen für die Haltung von Hengsten in der Gruppe durch Laien hat angeblich bei unbeaufsichtigten Haltungen von Przewalski-Hengsten in der Gruppe durch verschiedene deutsche Zoos schon zu ausgeschlagenen Zähnen, Augen und sogar Todesfällen geführt. Es wäre traurig wenn sich das wiederholen würde nur weil die Leute zu bequem sind einen Text vollständig zu lesen.
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